4 Nov 2014

TechEd 2014

In der vergangenen Woche war ich auf der TechEd Europe in Barcelona. Die TechEd ist DER Microsoft Kongress in Europa. Aus den vielen Sessions die ich beruflich besucht habe, konnte ich auch vieles erfahren, was für das Surface in Zukunft interessant sein wird. Ich versuche daher mal die Neurungen zusammenzufassen.

Update von Windows 8 bzw. 8.1.
Es wird definitiv ein sogenanntes InPlaceUpgrade geben. Das bedeutet für alle Surface der Pro-Reihe, dass ihr Windows 10 per Windows-Update installieren könnt. Die große Frage, die sich dabei natürlich stellt: Was wird es kosten. Nun, wir sind ja zunächst mal aktuell in einer technische Preview. Hier gibt es noch keine Aussagen zu den Kosten. Ich kann mir vorstellen, dass es Windows 10 kostenlos geben wird. Zum einen weil ich bisher noch keinen Mechanismus kenne, der Windows Update an ein Kauf-Programm koppelt, zum anderen weil ja auch Windows 8.1 mit Bing bei den Geräten unter 200 Dollar kostenlos beiliegt. Auch kann ich mir die Argumentation vorstellen, dass der Endbenutzer bei den anderen Betriebssystemen nichts bezahlen muss. Speziell bei Tablets und Phones ist ja sowohl bei Apple als auch bei Android direkt kein Euro fällig. Natürlich fließt hier im Hintergrund Geld, aber welcher Hersteller an wen was bezahlt ist mir als User eigentlich egal. Trifft das zu, liegt also jedem Windows Rechner ein Betriebssystem bei, was auf den aktuellen Stand gebracht werden kann, unabhängig der Nummer des Betriebssystems. Was hier im Moment auch dafür spricht ist die Tatsache, dass es in der vergangenen Woche ein Update von Windows 10 gab, was völlig geräuschfrei installiert werden konnte. Die Update-Mechanismen scheinen also einwandfrei zu funktionieren.

Die Hardwareanforderungen ändern sich nicht. Im Gegensatz zu früher, wo die Anforderungen mit jeder Version höher geschraubt wurden, sind sie seit Windows Vista stabil. Und das sind ja nun schon rund 8 Jahre. Das bedeutet, dass man auf einem 6-8 Jahre alten Rechner, auf dem Vista oder XP läuft, durchaus auch Windows 10 betreiben kann. Und das alles mit akzeptabler oder sogar besserer Performance. Ist eben nur die Frage, ob die Treiber der Hardwarehersteller für das Betriebssystem geeignet sind. Das sollte man schon vorher herausfinden. Dazu aber später mehr. Es bleibt also dabei (was ich im Übrigen seit Jahren in meiner Firma predige): Nicht das Betriebssystem frisst immer mehr Ressourcen, es sind die Anwendungen, die Anwendungen…

Das InPlaceUpgrade wird auch mit verschlüsselten Festplatten funktionieren. Dass das mit BitLocker kein Problem sein sollte, war mir schon klar, schließlich kann die hauseigene Festplattenverschlüsselung ja durchaus Berücksichtigung finden. Interessant ist aber, dass das Update auch mit Verschlüsselungsprodukten von anderen Hersteller funktionieren soll.

Für alle, die ein Surface im Laden kaufen und es anschließend in einer gemanagten Umgebung in der Firma einsetzen wollen, wird es eine Art Upgrade-Pfad geben, der das Gerät in die Domäne bringt und konfiguriert ohne eine Betriebssystem-Neuinstallation machen zu müssen. Bring your own Device wird also noch besser unterstützt. Das passt auch ins Gesamtbild von Windows 10. Was ich damit meine, verstehst Du nach dem Abschnitt virtuelle Desktops.

Nun zu den wichtigsten Änderungen, auf die wir uns mit aktuellen Wissenstand freuen können:

Startmenü

Das seit Windows 7 so schmerzlich vermisste Startmenü kehrt zurück. Der Startbutton wurde ja schon mit Windows 8.1. wieder eingeführt. Nun kommt also auch das Startmenü für den klassischen Maus-Tastatur Anwender wieder. Neu ist, dass es sowohl die klassischen Windows Anwendungen enthält, als auch die Apps, die aus dem Store geladen werden. In der Höhe und Breite lässt es sich bequem mit der Maus verändern. Die Kacheln der Apps können ebenfalls in unterschiedlichen Größen angepinnt werden.

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Für den Einsatz im Business-Bereich bleibt aber die spannende Frage noch offen, wie man das Menü skriptgesteuert verändern und anpassen kann. Schließlich hörte ich in der Vergangenheit immer wieder das Argument, man könne nicht auf Windows 8 (8.1) updaten, das es kein Startmenü gibt. Meiner Meinung nach genauso ein vorgeschobenes Argument wie der fehlende Startknopf auf dem Desktop. Ich arbeite seit Jahren mit der Windows Taste und der Suchfunktion, wenn ich was brauche oder starten will. Und da meine linke Hand an der Tastatur verweilt ist es definitiv schneller, die Windows Taste zu drücken als die rechte Hand von der Tastatur zu nehmen, zur Maus (bzw. Touchpad) zu greifen, diese nach links unten zu fahren, zu klicken und dann zum Schreiben wieder an die Tastatur zurück zu gehen. Die Suchfunktion wurde noch etwas erweitert und kombiniert bei der Ergebnisdarstellung der Suchergebnisse Windows 7 und Windows 8 , aber das nur am Rand. Naja für uns Surface-Benutzer bleibt auch die Modern-UI Oberfläche zur Touchbedienung. Sie wird auf der linken Seite um eine touchbedienbare Ordnerstruktur ähnlich dem Startmenü erweitert.

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Touch oder Tastatur-Mausbedienung
Ganz interessant ist für das Surface die automatische Erkennung wenn die Tastatur an- bzw. abgedockt wird, ob in Tablet-Modus umgeschaltet werden soll oder nicht. Natürlich auch anders herum. Wird eine Tastatur angedockt kommt die Frage, ob in den klassischen Maus-Tastatur Modus gewechselt werden soll. Dementsprechend wird das Startmenü genutzt oder die Modern-UI Oberfläche. Anwendungen wie OneNote starten entweder im Desktop oder im Tablet Modus, je nachdem was gerade genutzt wird. Über das Feature gibt es bereits ein Video bei Youtube

Benutzeroberfläche
Bei der Bedienung fällt sofort auf, dass nun auch Apps im Fenstermodus laufen können. Bislang waren Apps immer zum Fullscreen verdonnert. Sie lassen sich nun beliebig als Fenster skalieren. Eine weitere Änderung, klein aber wertvoll, betrifft das Umschalten zwischen den aktiven Programmen. Hier gibt es ja unter Windows jede Menge Möglichkeiten. Zwei davon wurden zusammengeführt: Das Umschalten mit ALT-Tab und das reinwischen von der linken Bildschirmseite. Beide Aktionen präsentieren nun die aktiven Anwendungen als Vorschau größer (und schließbar) sowie die virtuellen Desktops am unteren Bildschirmrand.

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Virtuelle Desktops
Virtuelle Desktops heißen im Original Task View um sie nicht mit virtuellen Maschinen zu verwechseln. Das sind sie nämlich nicht, denn die virtuellen Desktops laufen alle unter dem einen Windows 10 während virtuelle Maschinen jeweils ihr eigenes Betriebssystem haben. Zwischen den virtuellen Desktops wird mit STRG+Windows+Pfeil rechts/links gewechselt. Noch fehlt mir für den privaten Gebrauch die Idee, wozu ich die virtuellen Desktops brauchen könnte, vielleicht Entertainment, Arbeiten und Games. Arbeitet man aber zum Beispiel wie ich in der Firma an unterschiedlichen Projekten und nutzt das Surface privat, kann ich mir durchaus vorstellen, einen virtuellen Desktop für die unterschiedlichen Projekte zu haben und einen privaten. Der private Desktop ist dann auch gleich schnell weggedrückt, wenn es drauf ankommt.

Gesten
Das Surface Pro 3 hat ja ein deutlich größeres Touchpad erhalten. Das wird mit Windows 10 noch besser nutzbar, denn die 3-Finger Gesten, die ja andere Hersteller auch schon kennen, werden unterstützt. Beispielsweise streift man mit 3 Fingern von oben nach unten über das Touchpad um die aktiven Fenster zu minimieren (=Desktop anzeigen). Geht’s von unten nach oben, kommen die Fenster wieder in Vordergrund. Also gut merken, wenn man mal wieder was privates macht und der Chef vorbeikommt. Mit dem 3-Finger-Wisch nach links oder rechts gibt’s dann eine weitere Variante zwischen den aktiven Anwendungen zu wechseln. Mit einem 3 Finger tippen auf das Touchpad wird das Startmenü angezeigt.

Andocken von Fenstern
Längst haben wir die Welt der 4K Auflösungen erreicht. Und diese wird sich weiter nach oben entwickeln. Windows 10 unterstützt nun im Gegensatz zu seinen Vorgängerversionen das anpinnen von Anwendungen an den 4 Ecken. Bislang war das nur an der linken und rechten Seite möglich. Ist der Bildschirm groß und die Auflösung fein genug kann man also 4 Anwendungen gleichzeitig sehen. Mit dem Bedienen könnte es allerdings schwierig werden. Ich schaff nicht es nicht zwei Anwendungen gleichzeitig zu bedienen. Beim Andocken gibt es noch einige weitere Funktionen. Was ich am besten finde, ist die Auswahl weiteren anzudockenden Anwendung, wenn ich eine schon irgendwo angedockt habe.

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Commandline
Wir wechseln langsam mal in Richtung Business. Als bei der Keynote der TechEd der Einfügemodus in der Commandline gezeigt wurde, gab es Szenenapplaus. Kein anderes Feature aus der Keynote hat das geschafft. Cut- and Paste in der Commandline, ein Feature auf das die Profils 20 Jahre gewartet haben und das im privaten Umfeld niemand vermisst. Endlich ist es da. Ich bin sprachlos, mir fällt dazu nichts weiter ein.

App-Store
Nicht ganz neu ist die Anforderung der Firmen, den Apps-Store steuerbar zu machen. Windows 10 wird dieses Feature nun bringen. Zum einen werden über kurz oder lang die unterschiedlichen Stores für Windows Phone und Tablet zusammengeführt werden, zum anderen lässt sich dann konfigurieren, welche Apps dem Endbenutzer im Store angezeigt werden. Firmen können ihre eigenen Apps in einen Firmenstore stellen und mit den Apps aus dem Windows Store kombiniert dem Endbenutzer zur Installation anbieten. Das ist ein starkes Feature. Diese Kombination wird bei der Bereitstellung von Windows 10 im Unternehmen die entscheidende Rolle spielen: Welche Apps aus dem Store gebe ich frei? Welche Apps füge ich in meinen eigenen Store ein, was biete ich an? Ich bin gespannt, wie das gelöst und diskutiert wird.

Authentifizierung
Die 2 Faktor Authentifizierung ist ja nichts Neues. Smartcard’s und Fingerabdrucksensoren sind ja seit vielen Jahren verfügbar, werden aber nur wenig genutzt. Mit Windows 10 wird ein weitererAngriff auf das Thema gefahren. „For a world wihtout passwords“ haben wir hier vernommen und ein schönes Anwendungsbeispiel gesehen, wie das Smartphone als zweiter Faktor genutzt wurde und beim Logon eine PIN empfangen hat, die zur Authentifizierung zusätzlich eingegeben werden musste. Bin gespannt, wie sich das insgesamt in einer Firmenumgebung implementieren lassen wird.

Windows ToGo
Wer schon mal was von Windows ToGo gehört hat kann sich ebenfalls auf Windows 10 freuen. Windows ToGo ist ebenfalls noch vorhanden und damit eine ganz einfache Möglichkeit, seinen älteren Rechner auf Verträglichkeit mit Windows 10 zu testen. Windows ToGo ist ein vollständig installiertes Windows auf einem USB Stick. Empfohlen ab USB 3.0, lauffähig aber auch mit USB 2.0. Man kann sich das so vorstellen, dass die komplette Windows Installation auf einem USB-Laufwerk (z.B. 32 GB Stick) funktionsfähig vorhanden ist. Außer der eingebauten Festplatte werden alle Geräte des Rechners verwendet. Ich selbst hab immer noch einen Arbeitsplatz auf einem USB-Stick in der Tasche dabei. Damit bin ich an jedem zertifizieren Windows-PC der Welt arbeitsfähig, wenn ich den Rechner von meinem USB-Stick booten kann. Ich werde wohl in Kürze mal beschreiben wie man mit Windows ToGo Windows 10 auf dem Surface nutzt.

Windows RT
Worüber gar nicht gesprochen wurde: Windows RT. Hier können wir jede Spekulation zulassen ob und in welcher Form es ein Update für das Surface 2 oder Surface RT geben wird. Vielleicht wird ja auch das Phone und Tablet Betriebssystem zu einem zusammengeführt und heißt dann in Zukunft Windows PT.  Ich denke, dass es in diese Richtung gehen wird, technisch auf jeden Fall, der Name ist natürlich reine Spekulation.

Am Ende
Das war mal das wichtigste aus meiner Sicht. Windows 10 wird sich in den kommenden Monaten noch weiterentwickeln und uns bestimmt noch einige interessante Neuerung bieten. Einen Verfügbarkeitszeitpunkt einer offiziellen Version gibt es noch nicht. Bis dem soweit ist, bleibt nur mit den Entwicklungsversionen zu „spielen“. Wer das machen möchte registriert sich unter dem Windows Insider Programm und kann an der Entwicklung teilhaben.

Über den Autor: Ralf Eiberger

Ralf Eiberger
Schon 2012 als das erste Surface noch nicht angekündigt war und man spekulierte, dass Microsoft ein Tablet bauen würde, hatte ich es bereits in der Hand. Seither lässt mich das Thema Surface nicht mehr los. Seit 2013 bin ich MVP für Surface, inzwischen in der Kategorie Windows and Devices.