8 Jan 2016

Luft nach oben v2 – Windows 10 auf dem Surface Pro 3

Nachdem mein Bericht zu Windows 10 auf dem Surface Pro 3 nun knapp 5 Monate zurück liegt möchte ich dieses Thema nochmal aufgreifen und meine Einschätzungen aus dem August letzten Jahres bei jedem Punkt nochmal aktuell beleuchten. Mal sehen, was sich in dieser Zeit, insbesondere mit dem “Release 1511” (auch bekannt als TH2 – Threshold 2 oder sollten wir wie früher Service Pack 1 dazu sagen) verändert hat…

Ich werde nachfolgend meine damaligen Kommentare nochmals zitieren (grün) und dann meine aktuelle Meinung dazu kundtun sowie Änderungen beschreiben. Neben den rein technischen Punkten wird dabei sehr viel Subjektivität mitspielen, aber wenn das in einem Blog nicht zulässig ist, wo dann?

Was mir gefällt

Koexistenz zweier Welten

Hiermit meine ich die Verschmelzung von „klassischen“ Desktop-Anwendungen und den ModernUI-Apps, die mit Windows 8 eingeführt wurden. Was unter Windows 8.x noch zwei getrennte Welten waren existiert nun in friedlicher Koexistenz nebeneinander. Die Koexistenz geht dabei soweit, dass auch der ungeliebte Full-Screen Datei-Dialog von ModernUI-Apps dem klassischen Dialog gewichen ist. Das Look-and-Feel beider Anwendungsklassen rückt somit näher zusammen.

Hier bleibt meine Begeisterung zwar bestehen, nach meinem Geschmack sollte das aber noch weiter gehen:

  • So funktioniert z.B. nach wie vor kein Drag & Drop zwischen Apps, zumindest nicht bei Apps wie “Mail”, wo Drag & Drop für Mailanhänge einfach sinnvoll wäre.
  • Eine weitere Einschränkung, die mir auffiel: eine App darf keine Win32-Anwendung starten. So ist es z.B. aus einem Dateimanager wie “Metro Commander” nicht möglich eine Win32-Anwendung zu starten. Das ist, besonders bei so einer Art von App, sehr schade.
  • Auch die Interaktion zwischen Explorer und Apps ist noch nicht vollständig vorhanden. So sind auf meinem System sowohl “Outlook” als auch “Mail” für Email vorhanden, wenn ich jedoch eine Datei über den Explorer mit der Funktion “Senden an” versenden will, so wird Outlook gewählt, die Mail-App wird erst gar nicht angeboten.

Continuum

Der automatische oder manuell wählbare Wechsel zwischen Desktop- und Tablet-Mode ist eine super Sache. Vor allem die Tatsache, dass nun auch klassische Anwendungen bei Auswahl des Tablet-Modus automatisch in den Vollscreen wechseln und der Desktop nicht mehr angezeigt wird finde ich gelungen. Das wirkt so viel mehr wie aus einem Guss.

Continuum ist wirklich eine tolle Sache! Es sind sogar noch ein paar Verbesserungen dazugekommen. So vergrößern Kontextmenüs z.B. den Abstand zwischen den einzelnen Punkten im Tablet-Modus und auch der Explorer rückt alle Elemente weiter auseinander – sehr schön! Ich wünsche mir jedoch noch mehr, z.B.

  • dass Windows sich die Position und Größe von Apps und Anwendungen merkt und bei einem Wechsel wieder automatisch setzt
  • Apps und Anwendungen Buttons und Menü-Einträge bedarfsorientiert in Bezug auf Größe und Position anpassen können (vielleicht geht das ja auch, wird nur bisher in Apps nicht genutzt)
  • sich auch das Startmenü in Größe und Umfang stärker anpasst bzw. Möglichkeiten zur Anpassung bietet (s. Edge).

Kein Desktop im Tablet-Modus

Im Desktop-Modus wird nach wie vor der klassische Desktop angeboten, das Startmenü wird in der Default-Einstellung nicht mehr Full-Screen sondern wie unter den Vorgänger-Versionen von Windows 8 eingeblendet. Wechselt man in den Tablet-Mode, so verschwindet der Desktop vollständig – ja, er wird  sogar gar nicht mehr angeboten. Somit gibt es auch keine „Desktop“ Kachel mehr im Startmenü, welches nun Full-Screen angezeigt wird.

Ja, war und ist eine gute Entscheidung!

Das Startmenü

Das neue Startmenü ist eine Art Verschmelzung des klassischen Startmenüs und dem Start-Screen von Windows 8.1. Im Tablet-Mode wird dieses wie unter Windows 8.x immer Full-Screen angezeigt, im Desktop-Mode hingegen klassisch.

Gut ist auch, dass nicht mehr so verschwenderisch mit dem Platz umgegangen wird, der Abstand zwischen den einzelnen Kacheln ist deutlich kleiner. In diesem Zusammenhang gefällt mir auch die Änderung von horizontaler in vertikaler Laufrichtung, d.h. wenn die Kacheln aufgrund ihrer Menge nicht auf den Bildschirm passen, so wird in vertikaler Richtung gescrollt und nicht mehr wie unter 8.x horizontal. Das ist übrigens so ein Punkt, den ich in einem frühen Artikel noch negativ bewertet hätte 😉

Ich finde das Startmenü noch immer sehr gelungen, mit “1511” wurde es weiter verbessert. Die zusätzlichen Kontext-Menü-Einträge finde ich klasse. Die hinzugekommene zusätzliche App-Reihe ist ebenfalls sinnvoll. Hier wurde eine Funktion von Windows 8.1 übernommen.

Cortana

Ich will hier nicht näher auf diese neue Funktion eingehen, da ich sie noch nicht intensiv genutzt habe. Um es kurz zu fassen: sie funktioniert soweit, was draus wird muss sich erst noch zeigen!

Ich nutze Cortana nach wie vor nicht wirklich, bzw. eher indirekt. Im Browser “Edge” nutze ich sie gerne, um mir zu markierten Einträgen weitere Infos geben zu lassen. Das ist sehr praktisch.

Info-Center

Ein Wisch von rechts oder ein Klick auf das entsprechende Icon in der Taskleiste und das Info-Center wird eingeblendet. Dort befinden sich neben den Benachrichtigungen von Apps und Anwendungen auch Schalter für diverse Aktionen wie den Tablet-Modus, die Steuerung der Bildschirmhelligkeit, Flugzeugmodus, VPN, WLAN u.s.w.

Ich persönlich finde das Info-Center sehr praktisch, ich nutze es sehr intensiv.

Praktisch finde ich es nach wie vor, ein bisschen mehr Flexibilität wäre jedoch m.E. wünschenswert. So hätte ich gerne eine Uhr eingeblendet, die wäre z.B. bei der Wiedergabe von Videos im Full-Screen-Mode sehr praktisch. Auch eine optionale Windows-Taste im Tablet-Betrieb wäre besonders bei kleinen Tablets klasse, da der Windows-Button in der Startleiste doch recht eingeschränkt ist.

Anzeigenunabhängige Skalierung

Endlich gibt es die Möglichkeit die Skalierung der Anzeige für jede Anzeige getrennt einzustellen! Somit gelingt es auch eine Surface-Anzeige zusammen mit einem 1600×1200 Monitor zu betreiben ohne dass entweder der Monitor wie ein Seniorentelefon wirkt (man möge mir diesen Vergleich verzeihen) oder man für das Surface eine Lupe benötigt. Selbst der Wechsel einer App von einer Anzeige auf die Andere führt zu einem ordentlichen Wechsel der Skalierung (okay, zumindest wenn es sich um keine Adobe-Anwendung handelt). Klasse gemacht!!!

Wirklich ein super Feature, jetzt müssten nur noch alle Anwendungen damit sauber umgehen können (ich hoffe Adobe liest hier mit).

Generell gibt es aber noch eine Einschränkung: Beim Wechsel zwischen reinem Tablet-Betrieb und Betrieb mit einem zusätzlichen Monitor ist – wie auch bereits unter Windows 8.x – eine Ab- und Neuanmeldung notwendig, damit die Anwendungen sauber auf die Skalierung reagieren. Man erkennt dies an der Größe der Icons auf dem Desktop sowie an der Skalierung von Anwendungen (z.B. PhotoShop).

Was mir nicht so gefällt

Wegfall der Charms-Bar

Und da wage ich mich auf ein Terrain, welches die Gemüter spaltet: die mit Windows 8 eingeführt Charms-Bar. Ach was wurde darüber gescholten und wie wurde Microsoft für die Entscheidung diese mit Windows 10 sterben zu lassen in vielen Publikationen gelobt.

Ich persönlich war ein Fan der Charms-Bar, auch wenn die Umsetzung zugegebener Weise nicht perfekt war. Aber die Idee in einer Bar ein einheitliches Interface für Settings, Geräte, die Suchfunktion u.s.w. anzubieten empfand ich als  hochgradig logisch und in der Bedienung intuitiv. Und hier ist leider das Info-Center kaum ein Ersatz, lediglich der Punkt „Verbindungen“ bietet eine ähnliche Funktion an.

Ich bin nach wie vor ein Fan der Charms-Bar. Mir ist klar, dass sie nicht wiederkommen wird. Aber das Konzept fand ich einfach super!!!

Das „Hamburger-Menü“

Ja, auf dem Handy ist das vielleicht eine Bereicherung, aber der Charms-Bar kann es nicht das Wasser reichen. Auch sind hier nicht alle Punkte vereint, insbesondere die Einstellungen (Settings) von Apps sind meist – wie auch bei den Apps von Microsoft – wieder wo anders aufgeführt.

Sehe ich noch immer so, habe mich aber mittlerweile natürlich daran gewöhnt.

Umgang mit „Alt-Apps“

Apps, welche nämlich nicht für Windows 10 entwickelt wurden, werden irgendwie halbgar adaptiert. Ein Teil der Funktionalitäten wanderte in das Hamburger-Menü, andere müssen erst durch einen „Doppelwisch von Oben“ auswählbar gemacht werden.

Als Beispiel sei mal die App von „Dr. Windows“ herangezogen (Martin möge mir das verzeihen). Versucht in dieser mal die „Teilen“ Funktion zu finden: ja, ich musste lange suchen, denn hier kommt der „Doppelwisch“ ins Spiel. Erst dann wird nämlich das Hamburgermenü eingeblendet und man kann über dieses die „klassischen“ Funktionen der Charms-Bar erhalten.

Hier mal ein kurzer Shoot-Out zur Teilen-Funktion:

Windows 8.1:

  • Wisch von rechts
  • “Teilen“ auswählen

Windows 10:

  • Wisch von oben
  • Nochmal Wisch von oben
  • „Hamburger“ Menü auswählen
  • „Teilen“ auswählen

Erbebnis: 4:2

Und das soll nun ein Fortschritt sein? Verstehe ich nicht!

Daran hat sich leider nichts geändert, das Problem nimmt jedoch stetig ab, da immer mehr Apps an Windows 10 angepasst werden. Das Problem dürfte sich somit im Laufe der Zeit von selbst erledigen.

Weggefallene Funktionalitäten

Synchronisation des Startmenüs

über OneDrive. War m.E. eine Super Sache, eine Reinstallation verlor doch einen Teil ihres Schreckens und mehrere Devices mit gleichem Startmenü fand ich unglaublich praktisch!

Bitte Microsoft, bringt und das zurück. Und dann am besten optional steuerbar, dann wären doch alle zufrieden!

Der globale DLNA-Support für Apps

Was ich meine ist die Fähigkeit Media-Files wie Songs, Filme oder Fotos an einen DLNA-Renderer (UPnP Renderer) zu senden, damit dieser an Stelle des Windows-Rechners die Wiedergabe übernimmt. Ich hatte in meinem Artikel “Medienwiedergabe per DLNA unter Windows 10” bereits darüber berichtet.

Ja ich weiß, der betagte Media-Player kann immer noch PlayTo (was jetzt CastTo heißt – warum auch immer das nun so „google-like“ benannt werden musste), aber Apps können es nur noch dann, wenn die Funktion direkt in diese reinprogrammiert wurde. Das ist aktuell m.W. lediglich die App „Film & Fernsehen“.

Andere Apps wie Mediatheken (ARD, ZDF etc.), die Musik-App, youTube-Apps etc. können das aktuell nicht mehr, selbst wenn die identische Version das unter Windows 8.1 noch konnte. Dort reichte nämlich der Aufruf der Charms-Bar, Auswahl von „Geräte“ gefolgt von „Wiedergabe“ und man konnte den Renderer wählen.

Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass diese Funktionalität künftig über das Info-Center und dessen „Verbinden“ Funktion realisiert wird, darüber scheint jedoch lediglich MiraCast zu funktionieren.

Auch hieran hat sich leider nicht wirklich was geändert, meine Hoffnung auf die 1511 wurde nicht erfüllt. Ich glaube nicht, dass der DLNA-Support zurückkommen wird.

Eine kleine Entschädigung stellt hier lediglich die Einführung der Streaming-Option im Edge-Browser dar, dieser bietet nun die Möglichkeit, Medien auf einem externen Gerät abzuspielen. Hier wurde also ein DLNA-Support ergänzt.

Smart-Files in OneDrive

Dabei handelte es sich um Platzhalter, welche im Dateisystem auch Dateien von OneDrive vertreten haben, welche gar nicht auf den Rechner synchronisiert wurden. Okay, manche scheint das verwirrt zu haben, ich fand diese Funktion sehr nützlich.

Das sehen wohl nach wie vor viele User so, die Wiedereinführung ist eine der meistgeäußerten Wünsche in den Feedbacks. Es gibt bereits Gerüchte, dass mit dem Redstone-Update in diesem Jahr die Funktion zurückkommen wird, eine Bestätigung steht jedoch noch aus (ein Dementi gab es aber bisher auch nicht).

Fehlende OneDrive-App

Ja ich weiß, diese soll in Q4/2015 nachgereicht werden, aber hey: wie kann man als Microsoft eine neue Version seines Systems ohne eine solche Applikation starten? Das ist mir ein Rätsel und ich kann nicht glauben, dass deren Erstellung wirklich in der Zeit nicht machbar war. Aber irgendeinen Grund muss es ja haben…

Das vierte Quartal ist rum und wir haben noch immer keine App! Das darf doch nicht wahr sein, und das obwohl eine Universal-App für Windows 10 Mobile da ist. Ich habe auch bereits Aussagen vernommen, dass eine App für den Desktop gar nicht mehr geplant ist, das wäre m.E. ein absolutes Armutszeugnis!!! Selbst DropBox kann das besser und bietet wenigstes eine Windows 10 App mit Basisfunktionen.

Eingeschränkte Edge-Funktionalität

So gut er auch schon sein mag, da fehlt schon noch einiges. Für mich die wichtigsten Punkte sind dabei:

  • Eine vernünftige Bookmark-Verwaltung, was bisher da ist kann ich nur als „rudimentär“ bezeichnen.
  • Der Support von Plug-Ins (soll ja im Oktober folgen, hoffentlich gibt es dann auch schnell ein Xmarks-Plug-In)
  • Gesten-Steuerung wie in der ModernUI-Version des IE. Das war dort eines meiner Lieblingfeatures: vor- und zurückblättern per Wischgeste!
  • Links auf dem Startmenü sollten nicht (fast) alle das gleiche Icon haben sondern das der URL nutzen.

Tja, hier hat 1511 leider auch nur sehr rudimentäre und kaum eine Erwähnung werte Verbesserungen gebracht. Hier müssen wir uns offensichtlich bis Redstone gedulden.

Warum aber Edge (der ja eine App ist) noch immer mit der Basis-Version des OS verheiratet ist und mit deren Updates erweitert wird entzieht sich meiner Kenntnis. Auffällig ist hier auch, dass Security-Updates in Form von Patchdays über Windows-Update kommen und nicht, wie für eine App eigentlich zu erwarten, über den Store! Microsoft: Das passt irgendwie noch nicht zusammen.

Was man besser machen könnte

Wechsel zwischen Apps

Ja, ein Wisch von Links oder Auswahl des entsprechenden Icons auf der Taskleiste und ich bekomme eine Anzeige aller laufenden Apps und Anwendungen. Aber da gab es eine einfachere Möglichkeit unter Windows 8.1. Denn der benannte Wisch sorgte dort für ein schnelles Durchblättern aller aktiven Apps – ein Wechsel war so sehr schnell durchgeführt. Warum ist das nun nicht mehr so? Man hätte das problemlos so lassen können, die Übersicht aller Apps steht ja auch immer über das Icon zur Verfügung.

Fehlt mir noch immer, nur über das Touchpad steht eine entsprechende Funktion zur Verfügung. Was es da alles für Gesten gibt könnt ihr in meinem Artikel “Touch me – Fingerakrobatik auf dem Touchpad” nachlesen.

Mehrere Apps anzeigen lassen

Auch wenn das immer noch geht, so ist das m.E. nun doch deutlich umständlicher geworden.

Unter Windows 8.x musste man nur eine 2. App wählen und diese an den linken oder rechten Rand ziehen und schon waren beide Apps auf dem Bildschirm.

Unter Windows 10 muss man die 1. App wählen, von oben wischen und diese an den gewünschten Rand ziehen. Jetzt erhält man in der anderen Bildschirmhälfte eine Auswahl bereits gestarteter Apps und kann daraus wählen.

Okay, es ist halt jetzt einfach anders und es geht, aber mir fällt da noch folgende Vorgehensweise ein, die ich für sinnvoll erachten würde:

  • Wisch von Links
  • Möglichkeit eine App zu packen und an einen Rand zu ziehen
  • Dann die Einblendung und die Auswahl der 2. App für die andere Bildschirmhälfte

Brave Microsoft! Genau so geht es nun seit 1511 – geht doch!

Individualisierung des Start-Menüs

Was ich hier vermisse ist eine Mehrfachselektion von Kacheln, um diese dann gemeinsam zu verschieben. Dies war unter Windows 8.1 noch möglich und war bei der Gestaltung und Sortierung innerhalb des Startmenüs sehr hilfreich. Ich wünsche mir diese Funktion zurück.

Wünsche ich mir noch immer!

Edge-Browser

Für die Touch-Bedienung sind die Tabs zu klein. Auch gehören diese, ebenso wie die Eingabezeile, bei einem touchoptimierten Browser einfach nach unten und nicht nach oben.

Im Dark-Mode sieht er zwar schick aus, aber es ist kaum noch zu erkennen welcher Tab gerade aktiv ist. Da stand das Design wohl an erster Stelle und nicht die Bedienbarkeit.

Ja, leider ist hier noch keine Änderung in Sicht! Das bisschen Kosmetik der 1511 wie die animierte Seitendarstellung bei Mouse-Over bei den Tabs ist nicht der Rede wert!

Die Standard-Apps von Microsoft

Diese sind für mich die größte Enttäuschung nach dem Wechsel auf Windows 10 – zumindest teilweise.

Recht gut gefällt mir dir Fotos-App, da sollte nur noch eine Ansicht nach Ordnern ergänzt werden, dann wäre diese fast schon perfekt. Auch die Kalender-App ist in Ordnung.

Fast schon katastrophal ist die Mail-App. Ich war mir sicher, dass diese alles bieten würde wie die App unter Windows 8.1 – weit gefehlt. Da fehlen so simple Dinge wie die gleichzeitige Anzeige mehrerer Konten, eine Aufräumen-Funktion, die Anzeige aller Ordner (nicht mal der Spam-Ordner wird mehr angezeigt) u.s.w. Was Microsoft da abgeliefert hat ist in meinen Augen echt peinlich, zumal die App noch sehr buggy ist!!!

Die Kontakte App hat einen klaren Zugewinn erhalten: die Eingabe von Geburtstagen und Jahrestagen. Aber ansonsten wirkt das Teil einfach lieblos hingeklatscht. Nach dem Start eine alphabetische Liste aller Kontakte am linken Bildrand, der Rest verbleibt komplett ungenutzt. Was soll denn das? Das war früher eindeutig besser gelöst. Und ach ja, das Live-Tile funktioniert auch noch nicht.

Extrem enttäuscht bin ich auch von der News-App und ihren Derivaten (Sport, Finanzen). Während die Übersicht noch den ganzen Bildschirm nutzt erhält man bei Auswahl eines Artikels die Web-Ansicht, zentriert auf die Mitte (welche eine Platzverschwendung) ohne die Möglichkeit die Anzeige zu zoomen und ohne eine Leseansicht. Da geht man besser gleich auf www.msn.de, dort kann man wenigstens zoomen und auch die Leseansicht aktivieren!

Hier sieht man die größten Änderungen, denn jede App wurde mittlerweile bereits mehrfach aktualisiert. Dabei wurden Bugs behoben und viele schmerzlich vermisste Funktionen ergänzt. Man erkennt deutlich den Wandel im Entwicklungsprozess bei Microsoft. Die Entwickler-Teams einer App haben alle 2 Wochen einen Update-Slot, wie mir Ralf erzählte. Da heißt ganz klar, weg von großen Produktreleases, hin zu kleineren aber schnellen Anpassungen und Updates die sich der Kunde wünscht. Bugfixe und neue Funktionen, bei Bedarf alle 2 Wochen.

Ich bin mittlerweile mit fast allen Standard-Apps zufrieden, lediglich die News-App und deren Derivate hat leider im Bezug auf die Darstellung keine Anpassung erfahren – sehr schade, aber es gibt ja auch andere News-Apps!

Mein heutiges Ergebnis

Ich habe noch immer viele Kritikpunkte, einige sind jedoch auch bereits verschwunden. Hinzugekommen sind neue Wünsche und Vorschläge, aber das wird sich auch nicht ändern. Schließlich ist „Windows-as-a-Service“ ein Windows, das sich ständig weiterentwickeln wird. Und wir User dürfen durch unser Feedback an diesen Veränderungen teilhaben. Manche Wünsche werden dabei umgesetzt, mache werden sich nie erfüllen – fast wie im realen Leben!

Nach wie vor habe ich den Wechsel auf Windows 10 nicht bereut, auch wenn einige Bugs der ersten Monate genervt haben. Diese wurden aber mittlerweile entweder durch Fixe oder das 1511-Release behoben.

Einfach gelungen finde ich die Koexistenz beider Welten, alleine das rechtfertigt m.E. das Upgrade, welches bei mir übrigens absolut problemlos abgelaufen war. Und auch Ralf hat erst diese Woche seinen letzte Desktop problemlos auf Windows 10 gebracht.

Noch immer skeptisch bin ich, wie sich Windows 10 auf kleineren Touch-Devices wie z.B. einem Dell Venue8 oder einem HP Stream 7 verhält. Demnächst werde ich das Dell Venue 8 meiner Tochter aktualisieren, dann weiß ich mehr und kann berichten.

Alles was ich hier geschrieben habe gilt auch ohne Einschränkung für alle Surface-Modelle sowie sicherlich auch für alle anderen Tablets unter Windows 10.

Unterm Strich kann ich mich nur wiederholen. Microsoft: arbeitet wie angekündigt weiter an dem System, macht eure Hausaufgaben und hört weiterhin auf das Feedback eurer Kunden. Das 1511 Update war da schon ein erster richtiger Schritt! Dann wird Windows 10 das, was ihr uns versprochen habt: das beste Windows aller Zeiten!

Über den Autor: Thomas Paatsch

Wie auch Ralf bin ich ein Fan der Surface Produktfamilie und bin neben ihm hier einer der Hauptverfasser von Artikeln zu diesem Themengebiet. Nach einem Ausflug zur Konkurrenz (Toshiba Portégé) bin ich mittlerweile ins Surface Lager zurückgekehrt und heiße ein Surface Pro 7 mein Eigen. In meinem Haushalt gibt es aber auch noch einen Surface Laptop 1 sowie ein Surface Pro 6.